Therapie in Zeiten von Corona II

You won’t affect me, I’m in control
When I take the role of the misanthrope
A well of emotion taking you back
I won’t be shaped
Cause it never ever lasts
Leave me alone
Give me no words to keep
No familiarity
And I won’t be deceived
Soilwork – Long Live the Misanthrope

Im Laufe der Woche verlassen noch einige Mitpatienten die psychosomatische Klinik. Das ganze Wochenende liegt die Angst vor neuen Maßnahmen in der Luft. Unsere Vorahnung wird nicht enttäuscht.

Am Montag dann die Nachricht: Unsere Station wird aufgelöst. Betten frei machen für die COVID-19-Welle. Wir werden nicht nach Hause geschickt, aber auf andere Stationen aufgeteilt. Wie genau es mit den Therapien weitergeht, ist offen.
Zuviel für mich. Ich stürme aus der Morgenrunde und gehe sofort in die Hochanspannung.

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Therapie in Zeiten von Corona

Memory is fiction, so the past is your invention
Catch yourself, self-dissect, how youth outlives age
How beauty shames skill
Prayer is for dependents and wish is for the will
A struggle for independence, a harmless stage
Art gaining post-mortem fame
The Agonist – The Escape

Man lebt hier in der Klinik wie in einer Käseglocke, selbst wenn man draußen Freunde besucht und Nachrichten liest. Und so war es einerseits absehbar, dass wir hier irgendwann auch von der Corona-Pandemie betroffen sein würden – aber als es dann soweit war, hat es sich doch sehr unwirklich angefühlt.

Am Donnerstag ist wie gewohnt Patientenversammlung, wo wir unter anderem die Freizeitaktivität für den Samstag planen. Die Unsicherheit, wie sinnvoll dies in Zeiten von COVID-19 ist, beschäftigt bereits Teile der Gruppe. Auf Nachfrage teilt uns der Pflegestützpunkt allerdings mit, dass vorerst keine besonderen Schutzmaßnahmen für uns gelten würden. Wir planen also.

Freitags überschlagen sich dann die Ereignisse.

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Die psychosomatische Klinik – Programm und Therapie

I’m about to have a nervous breakdown
Mein Kopf tut schon weh und mein Bauch tut’s auch
Dämonen kennen meinen Namen
Ich werd‘ verrückt, bitte hol mich raus
Pascow – Im Raumanzug

Ich bin seit drei Wochen in der psychosomatischen Klinik.

Meine Gedanken rasen und man sollte meinen, dass mir das genug Input geben würde, um Blogbeitrag um Blogbeitrag zu schreiben. Und tatsächlich rauscht Tag für Tag Erkenntnis um Erkenntnis durch meinen Kopf, sodass ich Mühe habe, mitzukommen. Und trotzdem spüre ich eine Blockade, wenn ich versuche, es aufzuschreiben. Es ist, als ob einfach zu viel auf einmal passiert. Und ich bin müde. Müde vom Denken, müde vom Begreifen. Müde von all den Zusammenhängen, die sich mir erschließen auf dieser Reise hinein in mich selbst. Nicht weil ich keine Lust mehr habe, im Gegenteil. Ich will das alles endlich begreifen und anpacken und ich hadere keine Sekunde lang damit, hier zu sein, im Gegensatz zu einigen meiner Mitpatienten. Aber es ist eben auch unfassbar anstrengend, sich die ganze Zeit mit sich selbst zu befassen. Und dabei den schwierigen Themen nicht aus dem Weg zu gehen.

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