Es ist nicht automatisch alles gut

The thoughts of yesterday forgotten
I like the way this new skin feels
Bring me splinters of tomorrow
Collect the parts where I win
Against the grain
Against the odds
I’ll rise and I won’t trip again
The dawn of a new day never looked
As good as this
In Flames – Dawn of a New Day

Meine Zeit in der psychosomatischen Klinik ist vorbei. Ich sitze zuhause, aber dieses Zuhause ist eines, das erst noch werden muss. Ich bin einmal quer durchs Land gezogen und hier im Norden in eine neue Wohnung, einen Tag, bevor ich in die Klinik gegangen bin, mit ein paar Taschen und sonst nichts. Alles andere lagert in einem Keller weit weg. Und dann kam Corona und mein Umzug ist in weite Ferne gerückt. Jetzt sitze ich hier mit einer Matratze, Campingtisch und Campingstuhl. Völlige Freiheit, aber eben auch – völlige Leere. Der Kontrast zum Klinikleben könnte nicht größer sein.

In der ersten Zeit bin ich voller Energie und Tatendrang. Das Wetter ist großartig, meine Laune ist es auch. Ich plane, schreibe, bewege mich, meine Tage sind voll, es gibt so viel zu tun, so viel nachzuholen.

Aber es dauert nicht lange, bis sich die ersten Dissonanzen einschleichen.

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Retten, das muss ich mich selbst

I have found you in the darkness
I have found you
And here you are
To set a brand new path
To show me all that love means
I was lost, lost at the edge of all reason
And I didn’t know my way,
I’d given up hope
But here you are to set a brand new path
To show me all that love means
When I hold you, I need you
I said forever, and I mean forever
Oceans of Slumber – The Banished Heart

Ich bin ungefähr fünf Jahre alt, es ist Vormittag und ich bin im Kindergarten. Ich bin in der Froschgruppe im Raum ganz am Ende des Flurs. Der Kindergarten ist in einem Bungalow untergebracht, auf der einen Seite verläuft eine große Fensterfront, es ist immer hell. Es muss eine Übergangsjahreszeit sein, denn Gabi trägt einen dunklen, gestrickten Pullover, aber keine Winterschuhe. Gabi ist die Erzieherin, oder Kindergärtnerin, wie wir damals sagen. Gabi hockt am Boden, vor ihr ein anderes Kind, ich weiß nicht mehr, wer. Das Kind weint, es ist hingefallen. Und Gabi tröstet es, umarmt es, hält es fest.

Und ich stehe da und wünsche mir nichts sehnlicher, als auch endlich mal wieder hinzufallen. Mir weh zu tun, ein Knie aufzuschlagen. Damit ich weinen kann. Damit Gabi mich auch umarmt.

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