Ring frei

In spite of making this all I breathe
I’m sitting soulless in moments unforeseen
But I long to feel the breeze
Bound by this disease
Scars to take the place of open channels with no stream
I’ve got the answer
Do I dare to heed?
Monuments – I The Creator

Ich stehe in der ersten Reihe, die Musik umhüllt und durchdringt mich, sie ist so laut, dass alle anderen Reize einfach geblockt werden. Der Sänger schreit, der Rhythmus treibt, die Gitarren frickeln und die Leute um mich herum hüpfen, springen, tanzen.

Erst nicke ich nur mit dem Kopf, dann bewege ich die Finger zur Musik und schließlich den ganzen Körper. Energie wabert durch den Raum, ich singe und schreie und tanze und lasse Dampf ab und nehme die Energie der Musik und der hüpfenden Masse in mich auf. Es ist unheimlich befreiend und bestärkend zugleich, ein Ventil für all die Wut in mir und ein Trost für all den Schmerz.

Es ist wieder Montag, aber das Warten hat ein Ende. Morgen ist es soweit, morgen wird es ernst. Ab morgen darf ich in die psychosomatische Klinik.

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Jede Entscheidung ist besser als keine Entscheidung

As the clouds began to gather
Oh I wailed like a newborn babe
And opened the book of bad decisions I have made
Clutch – Book of Bad Decisions

Krank zu sein und etwas daran ändern zu wollen ist ein Vollzeit-Job.
Für jede erledigte Aufgabe, jeden Posten auf der to do-Liste erscheinen umgehend zwei neue. Jeder davon unangenehmer als der vorige. Jeder mit immer schwierigeren Entscheidungen verbunden. Und wenn ich eines nicht kann, dann genau das: Entscheidungen treffen. Ganz egal, ob es um die großen oder die kleinen Dinge geht. Darum, welchen Weg man im Leben gehen will. Oder darum, welches T-Shirt man heute anzieht.

Leider sind die meisten der Entscheidungen, die momentan getroffen werden müssen, deutlich komplexer. Und ich scheitere daran.

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Warten auf Montag

Blue is the colour of my soul
Bad times breaking up my life lines
Now my days are all overcast
And I can’t seem to find my way up on this lonely road
Graveyard – Blue Soul
Entscheidungen zu treffen ist etwas, das mir aus vielen Gründen nicht leichtfällt. Die Depression, die Angst, das Trauma, all das macht manchmal selbst die Wahl zwischen zwischen zwei T-Shirts oder dem Abendessen kompliziert. Leider bin ich gerade in einer Situation, in der ich ständig Entscheidungen treffen muss, die mein ganzes Leben beeinflussen.

Das schwierigste ist aber dennoch nicht die Entscheidung selbst, sondern der Punkt, an dem man eine Entscheidung in die Tat umsetzen muss. Anzurufen. Aufzustehen, sich anzuziehen und das Haus zu verlassen. Die erste Hürde ist immer der Kopf, aber die zweite, oft viel größere, ist der Körper.

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Warum ein guter Tag nicht immer gut ist – aber immer noch besser als ein schlechter

And higher and higher and higher I go
And deeper and deeper and deeper the flow
And higher and higher and higher we go
And deeper and deeper and deeper we fall
Disillusion – The Liberation

Heute ist ein positiver Tag. So positiv, dass ich mich schon frage, ob ich überhaupt noch in die Klinik muss oder ob es mir dafür nicht schon zu gut geht. Was, wie ein Teil von mir sehr wohl weiß, Schwachsinn ist. Aber so funktioniert mein Kopf. Alles, was schlecht ist, passiert so abgetrennt und abgespalten von meinem Bewusstsein, dass es mir schon absolut unterirdisch gehen muss, damit ich es wirklich wahrnehme. Auch deshalb hat es so immens lange gedauert, zu begreifen, wie tiefgreifend meine Probleme sind. Und obwohl ich diesen Mechanismus jetzt erkannt habe, hört er nicht auf zu funktionieren. Ich habe einen guten Tag oder sogar eine ganz gute Woche – und sofort denke ich, dass es ja gar nicht so schlimm sein kann.

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Anfangsreflexion

Beating chest and drums
Beating tired bones again
Age-old battle, mine
Weapon out and belly in
Tool – Invincible

Das ist also der Versuch, in Worte zu fassen, worüber ich seit Wochen nicht aktiv nachdenken will. Worüber ich eigentlich schon mein ganzes Leben lang nicht aktiv drüber nachdenke. Schreiben hat für mich schon immer eine therapeutische Wirkung. Ich setze mich an den Schreibtisch, klappe den Laptop oder das Tagebuch auf und fange an. Meistens ohne zu wissen, wo es mich hinführt. Das Schreiben läuft dann wie von selbst und am Ende steht meistens eine Erkenntnis schwarz auf weiß vor mir, die mir vorher so noch gar nicht klar war. Aber bei diesem Thema spüre ich eine Blockade, jedes Mal, wenn ich es versuche.

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